Jake kauft einen Truck

JAKES KAUFT SICH EINEN PETERBILD TRUCK

Jake stieg aus dem Wagen und ging über die Straße zu dem Gunnstore. Die Schrift mit der gemalten Waffe war verblichen und in den Ecken der Fensterrahmen des Schaufensters sammelte sich Straßenstaub von Jahren. Ab und zu fuhr ein Auto vorbei und durchbrach die schläfrige Stille der kleinen Stadt. Er hatte Hunger aber verschob das Essen auf später. Im inneren das Ladens war es angenehm kühl und in den Glasvitrinen lagen jede menge Waffen. Chromblitzende, Mächtige, untersetzte bullige, Schwarze von glänzend bis Matt, Jegliche Art von Kalibern,Pistolen, Colt, Gewehre und Flinten. Als er das sah dachte er das diese Waffen anscheinend den selben Gesetzen unterlagen wie die Menschen. Einer Evolution die sie immer mehr verfeinert und weiterentwickelt hat, die Spezialisten und Versager hervorgebracht hat, große und kleine, verschiedene Rassen und Gattungen samt ihrer Unterabteilungen aber alle waren sie von ihrem Zweck und ihrer Anwendung bestimmt. Nutzloses und sinnvolles ging unter, was keine Ökonomische Lücke fand verschwand aus dem Leben, der Produktion. da lagen sie alle so still und harmlos, fast friedlich wie neugeborene Kinder und warteten.

Jake wollte nicht mehr warten. Er wollte auch nicht mehr philosophieren obwohl er das früher gerne getan hat. Das war vorbei. Es war sinnlos und er ahnte das für sein Leben etwas anderes vorgesehen war als denken anstatt zu Leben. Aber damals wusste er noch nicht auf was das hinauslaufen würde. Streng genommen wußte er das jetzt auch noch nicht genau. Er war dem ziel nur etwas näher gekommen indem er dachte er müsste zu mindestens bereit sein. Egal auf was. Aber bereit sein. Doch wenn er genau in sich rein gehört hätte, falls er es gekonnt hätte, wehre ihm die dunkle Wolke auf dem Grund seiner Seele aufgefallen. Sie begann allmählich sein Gesicht zu verdunkeln. Im Spiegel konnte er es nicht sehen, aber es wahr so. Er glaubte noch Meister seines Schicksals zu sein da stellten sich schon tief im Inneren weichen mit leisen unhörbaren Klicken. Weichen wie bei einer kleinen Spielzeugeisenbahn die ihm sein Großvater geschenkt hatte.

Er trat an den Tresen und wartete bis der Mann lächelnd auf ihn zukam. Er lächelte Jake so an wie man einen Verschwörer anlächelte. Jemand mit den gleichen Neigungen und Vorlieben. Aber es wahr nichts dreckiges in seinem Lachen. Nicht so wie wenn Männer über ihren letzten Bordellbesuch reden.

„Ich möchte Waffen ,“sagte Jake und lächelt zurück.

 Jake legte die Hände auf den Verkaufstresen während ihn der Verkäufer anlachte.“Was für Waffen „fragte er. Jake sah eine Zeitlang in die Vitrine und auf das Regal hinter dem Mann. Zwischendurch rieb er seine Nase und Kratzte sich am Ohr. Dann zeigte er auf eine 45 Automatik Colt, eine Stubnose mit Kaliber neun und überlangen Trommelkanälen. Er beachtete den Mann nicht weiter als dieser ihm die Waffen auf eine Filz Unterlage legte sondern sah mit einem verklärten Lächeln auf eine Rotations Shot Gun. Ein Riesen Trommelgewehr für Schrot. „Das“ sagte Jake,“ das interessiert mich auch und auf seinem Gesicht breitete sich ein seliges Kinderlächeln aus. “ Gute Wahl sagte der Verkäufer . Kommt aus Israel.“ “ Hm“ machte Jake und nahm das Teil in die Hand. Es war riesig und schwarz Wie ein Elefanten Schwanz mit riesigen Eiern darunter. “ Fuck“ was für ein Teil“ sagte Jake und der Verkäufer Lächelte. “ Ja nicht schlecht“. Jake Probierte alles durch und zum Schluss hatte er wieder Die Stubnose in der Hand.“ Ich Möchte sie Probieren sagte er.“

Der Mann nahm einige Patronen aus einer Schachtel und sagte „der Schießstand ist dort hinten. Kommen sie. „Jake folgte ihm und der Mann gab ihm drei Waffe. Jake nahm sie wieder, wog sie in der Hand und wunderte sich, das er nicht dieses Gefühl der Macht spürte das so oft besprochen wurde. Es wahr eher wie ein angenehmes Spielzeug, oder ein schönes Werkzeug auf das man Lange gespart hatte. Nicht weil man es brauchte, sondern weil man es haben wollte. Er sah den Mann an der abwartend neben ihm stand und ihn anlächelte. Ja sie ist wirklich schön sagte Jake leise, so als würde er sich dafür schämen eine Waffe als schön zu bezeichnen. Dann sah es aus als dachte er angestrengt nach. Jake hob die Waffe und zielte auf den Kopf des Verkäufers. Der Mann hob abwerend die Hand und seine Augenbrauen runzelten sich missmutig. Zielen sie wo anders hin, das mag ich nicht sagte er zu Jake. Aber Jakes Augen waren hart geworden. Hart und erstaunt zugleich, so als höre er auf eine innere Stimme die er vorher noch nie gehört hatte. Lassen sie das, verdammt sagte der Verkäufer und griff in Richtung Jakes Pistole. Jake wich ein Schritt zurück. Die Hand des Mannes flatterte ins Leere. Draußen dröhnte ein schweres Motorrad vorbei. Jake schoss dem Verkäufer in den Offenen Mund, bevor dieser nur ein Ton von sich geben konnte. Es gab kein Zurück mehr.

Und das wahr was er wollte. Den Ast absägen auf dem er so lange saß und gewartet hatte. Er wusste das es kein Zurück mehr geben konnte. Und das würde ihn tun lassen was nötig wahr. Es gab keine Hintertüre durch die er wieder zurück konnte. Die letzte weiche war gestellt. Er atmete tief durch, wie befreit von einer langen Last. Nie wieder würde er etwas anderes tun als das, was er wollte. Nie wieder.

Er ging zurück in den Laden und holte eine Papiertüte unter dem Tresen raus. Er suchte sich die richtige Munition und stopfte sie in die Tüte. Dann wickelte er die Shotgun in Packpapier und steckte die Pistolen in seinen Gürtel unter das Hemd. Tüte und Gun nahm er unter den Arm und ging zur Türe raus. Die Straße lag reglos in der Mittagshitze. Ein Hund auf der anderen Straßenseite kratzte sich mit einem Hinterlauf hinter dem Ohr, verharrte, sah kurz zu Jake rüber, und dann interessierten ihn nur noch seine Flöhe

Ein Wagen kam langsam um die Straßenecke. Langsam, lauernd und gelangweilt. Nu ein wenig Staub wurde von den Reifen hochgehoben. Fast sanft sank er zurück.

Jake ging weiter. Auf dem Dach des Wagens blinkten die roten und blauen Verglasungen der Alarmscheinwerfer im Licht der Sonne. Zwischen der Vorderen und hinteren Bank des Wagens sah Jak das Plastikgitter. Der Fahrer trank mit einem Strohalm aus einem Styroporbecher den er in der linken Hand hielt, während der Ellenbogen des dazugehörigen Armes aus dem offenen Seitenfenster ragte. Der Wagen fuhr zwar langsam, aber nicht langsam genug, das Jake noch vor ihm über die Straße kommen konnte um in seinen Pik Up zu steigen. Also blieb er mitten auf der Straße stehen und sah zu dem Hund hinüber. Als der Wagen vom Sheriff zwischen ihm und seinem Pikup stand bremste er leise und sanft. Jake musste nun dem Fahrer seinen Blick zuwenden und er sah sich gleich zweimal in dessen verspiegelter Brille. Über der Brille sah er etwas Braune Haut auf der kleine Schweißperlen standen und dann den Stetson, leicht in den Nacken geschoben.

Unter der Brille war ein schmaler, harter Mund. Der jetzt langsam von dem Strohalm herunter glitt. Sie haben ja mächtig eingekauft sagte der Mund. Jake nickte verlegen und überlegte sich eine Antwort. Sein Herz raste und er merkte wie er anfing zu zittern.

Ist der alte Peddy dort drin oder sein Sohn, fragte der Mann, nickte mit dem Kopf zum Gunstore und stellte den Styroporbecher in die Halterung an der Türe

Der Sheriff öffnete die Türe und Jake sah seinen Bauchansatz. Er überlegte ob er schnell genug an seine Waffe kommen könnte. Aber wenn der Mann nichts ahnte, hatte er ja genug Zeit zu verschwinden. Aber wenn er ihn fragt ob er mit reinkommen solle? Dann sollte er warten bis sie in dem Laden waren. Hier draußen könnte sie einer beobachten. „Ist der Alte drin oder sein Sohn“ fragte der Sheriff jetzt noch einmal. Er war ausgestigen, stand neben der offenen Wagentüre und zog seine Hose hoch. Auf der anderen Straßenseite war ein alter Kerl vor dem Schaufenster des Gunstore stehengeblieben und betrachtet die Auslagen. Er Hatte ein kariertes Hemd an und eine Latzhose aus blauen Leinen. Auf dem dünnen weißen Haar saß ein abgegriffener Strohhut.

Jake sah wieder den Sheriff an. Sein Pistolen Holster war offen und er würde die Waffe im Zweifelsfall schneller rausbekommen als Jake seine aus der Hose. Ich glaube es war der Junge sagte Jake um überhaupt etwas zu sagen. Außerdem hatte der Verkäufer nicht älter als dreißig ausgesehen. Jake dachte diese Ausschmückung würde seine Aussage glaubwürdiger machen. Er sah wieder zurück zu dem Alten im karierten Hemd. Bitte geh nicht in den Laden dachte Jake. Was brauchst du alter Furzer den eine Kanone.

Der Sheriff hatte inzwischen seine Hose losgelassen und betrachtete Jake und dann die Tüte. Jake sah wie an gelegentlich zu dem Hund . „Sie kennen die beiden also nicht. Wo kommen sie her“, fragte der Sheriff.

Es ist wie in den beschissenen Filmen dachte Jake. Immer geht es schief. Eine halbe Minute eher oder später und sie hätten sich nie gesehen. In diesem Moment seiner ansatzweisen philosophischen Gedanken hörte er in der Ferne das grollen des schweren Motorrades. „Ich komme hier so nur durch“ sagte Jake, „und ich dachte es ist günstig, der Store sah leer aus und ich wollte so wieso noch einige Sachen haben.“ In dem Moment hatte Jake das Gefühl, mit dem Wort leer etwas falsches gesagt zu haben. Jeder der ein krummes Ding vorhat, sucht etwas wo es leer ist. Und er ist auch noch Fremd hier.

Noch einige Sachen?“ wiederholte der Bulle. Der Sheriff sah ihn weiter unverwandt in die Augen. Jake fühlte sich wie ein Insekt unter einer Lupe. Und dann fiel Jake fast tot um. Der Alte Kerl hatte sich von der Schaufensterscheibe abgewandt und näherte sich der Eingangstüre. Für die Zeit eines Blitzschlages hoffte Jake, er würde vorbeigehen, obwohl er genau wusste was kommen würde. Aber der alte Sack blieb vor der Türe stehen und schob sie mit beiden Händen, langsam und wackelig nach innen auf. Jake beobachtete ihn bis er im Dunkel des Ladens verschwand. Der Sheriff folgte Jakes starren Blick und wie ungefähr, schien es Jake, hing seine Hand in Nähe des Holsters. So So, Sie brauchten also noch einige Sachen, wiederholte der Bulle. Er sah über sein Auto hinweg zu Jakes Wagen rüber und setzte sich langsam in Bewegung.

Er hatte die Fußspitzen seiner Boots beim Gehen leicht nach innen gedreht,und seine Arschbacken rollten wie Kugellager gegeneinander. Mein Gott , warum fährt er nicht weiter dachte Jake. In jedem Moment muss der Alte schreiend aus dem Laden kommen. Jake hörte wie das Motorrad, oder waren es zwei, vor der nächsten Ecke runter schaltete. Der Sheriff hatte sich hinter Jakes Auto gestellt und betrachtet das Nummernschild. Aber Das Nummernschild war nicht zu erkennen. Jake hatte es mit Dreck zugeschmiert. Und genau so sah es auch aus. In dem Moment nähert sich das Gewitter aus hämmernden grosshubigen Zylindern der abgewandten Seite der Hausecke. Jake räusperte sich und fingerter nach der Stubnose die hinten, im Gürtel seiner Hose steckte. Der Hund hat mit Kratzen aufgehört und sich wackelig auf seine Beine gestellt. Einige Fliegen summen um seinen Kopf. Er schielte mit gesenktem Kopf in Richtung des sich nahenden Lärms. Der Sheriff hat den Kopf gehoben und lauschte. Seine Stirne ist unwillig gerunzelt. Er wendet sich der Straße zu. In diesem Moment kommen sie um die Ecke. Viel zu schnell und in gefährlicher, die Schwerkraft verachtender Schräglage. Ihre Lederjacken und die darüber gezogenen Jeans Westen mit den ausgefransten Ärmelöffnungen sind mit grauen Staub bedeckt. Genauso wie die hohlwangigen, zu früh gealterten, jungen Desperado Gesichter. Blank und schwarz sind nur die Brillen, die schmal und glänzend von einem Ohr zum anderen laufen. Wie böse Insektenaugen einer Spinne. Tarantulla. Die langen Haare und die Jacken umflattern ihre vorgeneigten Oberkörper, dreckige Hände umklammern die kurzen Lenker an der langen Forderadgabeln und ihre ausgetretenen Boots treten krachend, inmitten der Kurve, inmitten der größten Schräglage ihrer Maschinen mit fiebriger, rastloser Gewalt, die nächst höheren Gänge herein.

Ein Rucken geht durch die zitternden Motorräder und von ihren walzenartigen Hinterradreifen beschleunigt, richten sich die drei aus der Neigung heraus wieder auf, und schießen in einer Wolke höllischen Donnerns wie schemenhafte Dämonen davon. Als sie wenige Meter vorbei sind, werden sie von einer Staubwolke verdeckt, die unschlüssig in der Luft schwebt, nicht weiß ob sie folgen soll oder wieder auf die sonnenwarme Straße legen soll um weiter zu träumen. Während das Brummen langsam verebbt peitscht das Echo der knallenden Zündungen ihrer Harleys von einer Straßenseite zur anderen, wird immer matter werdend von den Hauswänden reflektiert und sinkt dann lautlos mit dem Staub zusammen zu Boden, verpufft in der Mittagshitze. Der Dritte, vielmehr die Dritte war eine Frau. Sie saß auf der zweiten Machine, und als die Motorräder mit einem Ruck beschleunigten, löste sich ihr geschmeidiger Körper federnd wie Stahl für Sekunden von dem des Mannes, bog sich von den Fliehkräften gebogen kurz zurück, um wieder zurück zu schnellen, sich an den Bastard mit dem bärtigen Gesicht und den Runen im Gesicht zu schmiegen, ihn mit ihren Armen zu umklammern. Ihre Beine wahren in hockender Stellung weit geöffnet, ihre Haare wehten wie eine verrückte , ausgefranste Wolke hinter ihrem Kopf und in ihrem auffallend weißen Gesicht leuchtete ein brandroter Mund.

Als Jake sich von diesem Bild einer grenzenlosen, animalischen Freiheit löste, verspürte er einen feinen Stich im Herzen. Bitch, dachte er und ihr Gesicht, ihre Haltung, diese Vision der Hölle war ihn seinen Kopf eingebrannt. Als er den Plastikgriff der Stubnose in seiner feuchten Handfläche fühlte, bemerkte er das er für Sekunden alles andere vergessen hatte. Mit der Erkenntnis über seine Situation setzte wieder der rasende Herzschlag ein. Auf der anderen Straßenseite ging die Türe des Gunstore auf.

Als der alte Kerl aus dem Gunstor kam, stand er unter Schock. Aber keiner außer Jake war da und konnte es sehen, geschweige den das Gestammel des Alten hören. Der Sheriff, war, noch als Jake nach seiner Waffe im Hosenbund suchte in seine Auto gesprungen, hatte es mit einer schleudernden 180 Grad Wendung auf der Straße gedreht und war den Desperados gefolgt. Noch bevor das Echo der dröhnenden Motorräder verschwunden war, hörte Jake das Jaulen der Polizeisirenen, das schnell leiser wurde. Er stellte seine Tüte in das Auto, schwang sich auf den Sitz und fuhr in die andere Richtung davon.

Er würde das nächst beste Hotel nehmen das er fand und schlafen. Und außerdem wollte er sich eine Job suchen. Er grinste. Er brachte einen Mann um für ein paar Waffen. Er brachte ihn um, um sich zum Outlaw zu machen. Er brachte ihn um als Mutprobe. Und dann wollte er sich eine Arbeit suchen. Warum nahm er nicht einfach die nächstbeste Bank aus, oder eine Tankstelle?

Nein das wollte er nicht. Die Gefahr war ihm zu groß und Geld fand er nicht so wichtig. Er wollte an sich ganz normal leben. Er wollte ihnen zeigen das er sich Mühe gab, so wie er seinem Vater immer gezeigt hatte, das er sich Mühe gab. Aber dann, wenn ihm dann einer dumm kam, dann würde er es ihm zeigen. Er würde nicht mehr kuschen. Nie mehr. Und das war es, was er wollte. Der Welt zeigen das Jake nicht mehr kuschte. Er wollte seine unerhörte Empörung darüber kundtun, das er, obwohl er sich immer Mühe gab, getreten wurde wie ein Hund

Das wahr es. Er wollte Gerechtigkeit. Und bei diesen Gedanken merkte Jake schon wie sein Herz schneller schlug und Empörung und Wut in ihm hoch kroch wie ein Tier das ihn innerlich auffraß. Und wenn von jetzt ab alles gut liefe, es wäre nicht genug. Er wollte Rache. Rache für angetane Missachtung und Erniedrigung. Aber er wollte sauber dastehen. Er wollte das alle sahen das ihm unrecht geschehen war und das seine Rache berechtigt war. Und dazu brauchte er das Alltägliche. Das Alltäglich in dem er sich immer Mühe gab. Und dort musste es passieren. In einer Inszenierung. Er wollte das ihm unrecht geschehen würde um es allen zu zeigen.

Er begann mit dem Wagen gefährliche Schlenker zu fahren, so als wolle er den Straßenrand anrasieren und bestrafen.

Als er die Tankstelle sah fuhr er rauf und parkte. Er kaufte ein paar Büchsen Coke und Zigaretten. Das Mädchen an der Kasse war blond und überhaupt recht stramm gebaut. Er merkte wie er scharf wurde. Aber sie sah ihn nicht an während sie ihm Geld rausgab, und ging auch nicht auf Jakes Bemerkung ein, was hier draußen den so los sei.

Also ging er raus und verfluchte sie. All diese hochnäsigen Dinger. Die haben auch nie gemerkt das er doch ein ganz ansehnlicher Bursche war. Was bilden die sich eigentlich ein? Eine heiße Flamme stieg in Jake hoch und er war kurz davor umzukehren und ihr zu sagen was er von ihr hielt, oder vielleicht noch besser, ihr einfach nur die Waffe zu zeigen und ihr zu sagen:“ sei nicht so arrogant , es könne der Falsche kommen“.

Aber im selben Moment wusste er wie dumm und lächerlich das war. Und außerdem könne sie die Bullen anrufen weil sie sich bedroht gefühlt hatte. Dann hätten sie ihm am Haken.

Nein, seine Zeit die würde kommen.

Die dunkle Wolke in seiner Seele hatte sich kaum merklich bewegt. Und immer wenn sie sich bewegte, wuchs sie auch ein Stück.

Jake hatte den Fernseher an. Er lag auf dem Bett und trank Bier. Er hatte Chips und Hühnchenbeine um sich herumliegen und vor ihm seine Waffen. Sie lagen dort und spiegelten sich matt im blauen Flimmern des Fernsehers. Ab und zu nahm er eine Waffe, befühlte sie und begann sich dann Ziele zu suchen. Das Fernsehprogramm war voller Ziele. Er versierte die Köpfe an und stellte sich vor was geschehen würde nachdem er abgedrückt hatte. Aber er suchte sich nur die aus, die schlecht waren, gemein und hinterhältig, die, die anderen Leuten wehtaten. Und er entdeckte sich dabei, das er bevor er sie hinrichtete, über sie zu Gericht saß. Sie sollten wissen warum sie sterben mussten. Dann stellte er den Fernseher aus und hörte noch einen Weile in die Nacht heraus. Es wahren nur die Geräusche der vorbeifahrenden Autos. In großen Abständen. Das Zimmer wurde für Sekunden von den Scheinwerfern erhellt. Dann sah er die Waffen. irgendwann schlief er ein.

Jake hatte einen komischen Traum letzte Nacht. Er war schweißgebadet aufgewacht und sein Herz schlug wie rasend. Er hatte geträumt er wäre in eine Schlägerei verwickelt gewesen. er wollte es gar nicht, aber irgendwie war er dann dabei. Er hatte eine höllische Wut und wollte seinem Gegner in das Gesicht schlagen. Aber es ging nicht. Sein Arm war wie Blei und er konnte ihn nur Zentimeter für Zentimeter heben. Er bekam kein Schwung rein, und um so mehr er sich mühte, um so schwerer wurde er. Er wusste in dem Moment, das sein Schicksal besiegelt war und Angst kroch in ihm hoch. Er sah wehrlos seiner Vernichtung entgegen. Davor wachte er auf.

Er duschte, und beschloss sich im nächsten Drugstore Beruhigungstabletten zu kaufen.

Draußen strahlte die Sonne und das Paar zwei Räume weiter packte ihre Koffer in den Wagen. Das Mädchen sah hübsch aus und Jake beschloss sich irgend eine aufzugabeln. Noch hatte er genug Geld und er wusste, wenn er erst mal eine am Haken hatte und seine Witze machte, dann hatte er freies Spiel. Aber in letzter Zeit war das nicht oft geschehen das eine anbiss. Im Gegenteil, er glaubte das sie ihn gar nicht wahrnahmen. Das sie glaubten, er sei nicht gut genug. Und bei dem Gedanken erstarrte er und sah auf die Stelle wo das junge Paar abgefahren war. Noch als sich der Staub legte starrte er auf die Reifenspuren im Sand, erst stieg Bitterkeit in ihm hoch und dann Hass. Scheiß Weiber. Die dunkle Wolke in ihm wurde wieder ein Stück größer.

Jake mochte den Geruch von heißem Metall und Benzin. Immer schon. Er hatte einmal versucht herauszubekommen woher diese Vorliebe kam. Aber diese Erinnerung schien verschüttet in den Tiefen seiner Seele, wie so manches Andere. Aus der staubigen Frontscheibe konnte er über die Arme der Autowracks ums sich herum sehen. Legionen von verrosteten Träumen. Er öffnete die Türe des Trucks und sprang auf den staubigen Boden. Dann geht er hinüber zu der Baracke die eingebettet in Berge von Motorteilen, Getrieben, Reifen, Felgen und alten Autositzen lag. Die Sonne ließ das Blechdach glänzen. Eine Eismaschine spuckte polternd eine Ladung Eilwürfel in die Auffangschale und Fliegen summten durch die breiige Luft. Der Dicke saß im Schatten der Vordachs, hatte ein Steak auf dem Grill und blinzelte Jake entgegen. Sein Bauch blitzte durch das Hemd. In seinen Fingern hält er eine Zigarette.

Jake sagte er wolle den Truck haben. Er gefalle ihm so wie er ist. Der Händler wendete mit schnellen Bewegungen das Steak über der glühenden Kohle und leckte sich anschließend die Finger. Heiß, sagte er . Dann steht er auf um den Truck besser sehen zu können. Er ragte dunkel und staubig wie ein böser Schatten über die anderen Wagen heraus. Die Sonne wurde von dem dunklen, stumpfe Lack nicht reflektiert, so als würde die lange, wuchtige Motorhaube das Licht fressen und speichern. Tödliche, vibrierende Energie die wie ein zitternder Schleier über dem heißen Blech liegt.

Der isses?“ Fragte der Dicke zweifelnd? „Ja“ sagt Jake. Der Händler verschwindet im dunkel der Baracke und tauchte mit ein paar Autoschlüsseln auf. „Ist vom selber hier angekommen. Müsste noch in Ordnung sein“ .Der Dicke setzte sich wieder und befingerte das Steake. Jake geht zurück zu dem Truck. Wie eine Stück Fels ragte er vor ihm auf. Das Blech ist hart und dick. Er öffnete die Türe und schwingt sich hinter das Steuer. Er steckte den Schlüssel in das Schloss und der Motor ist nach ein paar schnorchelnden Rülpsern sofort da. Jake fühlt das vibrieren der Maschine bis in seine Eier. Er macht ihn sofort an. Er fühlt durch das Lenkrad diese Gewalt die sich in der Stoßstange aus stumpfen Chrom zu konzentrieren schien. Jake lässt den Diesel laufen und steigt wieder aus. Er geht zu seinem Pickup und holt ein Magnum aus der Reisetasche. Dann packt er seine Sachen, trägt sie zu dem Truck und verstaute sie in der Schlafkabine. Dann geht er wieder zurück zu der Baracke. Der Dicke zerschneidet gerade sein Steak. Als er Jake kommen hört, sieht er nicht einmal hoch.“Na „, fragt er Kake.

„Ich habe meine Sachen schon reingepackt. Wieviel soll der Petterbild kosten. Mein Auto gibts dazu“, sagt Jake.

Der Dicke sieht nicht hoch. 1500$ sagt er. Und das was im Tank ist gibt’s gratis. Jake fängt an in die Sonne zu sehen.

„Habe ich nicht“ sagt er. „ Nenne mir einen guten Preis. Und wenn du jemand suchst der hier aufräumt kann ich ein paar Tage hier arbeiten.“

„Brauche ich nicht. Hier hat noch nie einer aufgeräumt“antwortet der Dicke. „Dein Auto ist höchstens 400 Bucks wert.“800“ sagt Jake. „Er ist nur achthundert wert.“

“ Ist mir scheißegal“ sagt der Dicke. „Ich sage 400 und wenn es dir nicht paßt mache dich vom Acker.“

Jake spürt wie ihm heiß wird. Und dann bemerkt er den Knoten in seinem Bauch und wie sich sein Sehfeld eigenartig verkleinert und zusammenzieht. Ein Knoten der Wut und Machtlosigkeit.

„Hey Mann „sagt er. „Rede nicht so mit mir du Wichser.“

Der Dicke sieht schnell hoch und in Jakes Augen. Er scheint gar nicht überrascht. Jake merkt das er schon auf der Grenze tanzt. Aber er will nicht mehr zurück. Nie mehr will er zurück in seine feiges kleines Herz. Der Dicke wischt sich den Mund mit dem Handrücken sauber und sagt freundlich, „Moment. Ich hole die Papiere.“ Dann reden wir nochmal. Als der Dicke aus der Baracke zurückkommt stupst er Jake kurz mit der Pumpgunn an und zieht sie schnell wieder zurück.

„Ich lebe seit zwanzig Jahren hier draußen und immer kommen solche Flachwichser die mehr wollen wie sie geben können. Verpiss dich. Mein Steak wird kalt. “ der Dicke spuckt Jake vor die Füße.

Jake nickt bedächtig. „Dein letztes Wort fragt er?“ Der Dicke antwortet. „Das absolut letzte. Hau ab.“

Jake geht zu dem Truck und der Dicke mit der Gun ein sicheres Stück hinter ihm.

„Und hole deine schmutzigen Unterhosen aus meinem Truck“sagt er. „Ich möchte nicht das ich nachher eine Anzeige wegen Diebstahls bekomme.

„Geht klar“ sagt Jake. Er steigt in den Peterbild Truck und holt seine Tasche Raus. Er steigt mit ihr in seinen Pickup und haut die Türe von innen zu. Im Rückspiegel sieht er den Dicken, die Kanone im Arm. Jake lehnt sich aus dem Fenster.

„Nichts für ungut“, sag er. „War alles nicht so gemeint.“

Der Dicke sieht ihn aus reglosen kleinen Augen an. Er sagt nichts. Jake legt den Rückwärtsgang ein und tritt das Gaspedal durch. Er hört den Schlag als er den Dicken rammt. Ein weiches Buff, so als wenn ein Doppelwoper vom Tisch auf die Fließen fällt. Jake legt den Vorwärtsgang ein und fährt eine enge Kurve bis er den Dicken vor sich hat. Der Dicke kniet auf dem Boden und starrt Jake ungläubig an. Die Flinte liegt etwas abseits. Plötzlich scheint dem Dicken klarzuwerden das das noch nicht das Ende ist. Er versucht zu der Flinte zu kriechen aber er fällt mit einem Schrei auf sein Gesicht und greift sich an seinen linken Oberschenkel. Etwas eigenartig weißes ragt aus seiner Hose, so wie ein Stück Holz das im Meer gebleicht wurde. Jake steigt aus und nimmt die Flinte des Dicken weg.

„Du elendes Schwein“ sagt der Dicke mit eigenartig emotionsloser Stimme.

“ Du bist ein elendes Schwein.“

„Ja“, sagt Jake , „vielleicht bin ich ein elendes Schwein, aber du bist über kurz oder lang eine totes Schwein. Ihr Typen seid alle gleich. Warum wollt ihr die Anderen immer über den Tisch ziehen?“

Der Dicke stöhnt nur. Jake holt wieder seine Sachen aus dem Pickup und verstaut sie in dem Truck. Dann geht er in die Baracke. Durch das Fenster kann er den Dicken auf dem Staubigen Boden sehen. Er kann es fühlen wie der Dicke nach einem Ausweg sucht. Jake blättert einige Ordner durch bis er die Papiere des Trucks hat. Er steckt sie ein, greift sich einen Schraubenzieher und geht wieder raus. Er Fährt seinen Pickup zwischen die anderen Autowracks , wischt mit einem alten Lappen alle Teil ab, die er mal angefasst haben könnte. Dann schraubt er die Nummernschilder ab, knickt sie klein und steckt sie sich vorne in die Hose. Als er zurückkommt starrt ihn der Dicke an. Unter seinem linken Bein ist eine dunkle Stelle auf dem Boden. Blut. Er atmet schwer und verzieht ab und zu das schweißüberströhmte Gesicht. “ Gib mir ’ne sagt er, sag mir wie wir aus der Sache raus kommen können. Ich habe da drin noch ein paar Dollar.“ Jake sieht ihn an. Fliegen summen um den Blutfleck unter dem Bein des Dicken. Jake ist in sich ganz schwer geworden. Wie in seinem Traum. Wie in Zement eingegossen. Am liebsten wäre er ganz weit weg, oder würde aufwachen. Die hilfreiche Wut war verflogen. Die Sonne strahlt warm auf seine Schultern. Irgend ein paar Vögel, genauso Staubfarben wie die Erde, huschen im Tiefflug über die Autowracks. Und dann hört er das Gackern, bevor das Huhn um die Ecke der Baracke kommt und sich in Richtung des Dicken voran pickt.

„Hau ab“ sagt der Dicke.“ Hau einfach ab und nehm‘ mit was du haben willst. Ich sage ich habe mir das Bein gebrochen weil ich wo runtergerfallen bin.“

„Das denkst du jetzt, das du es tun wirst. Aber wenn ich weg bin wirst du wütend werden und den Bullen sagen wie ich aussehe und das ich mit dem Truck unterwegs bin.“

„Ich schwör’s dir Junge, ich werde es nicht“, sagt der Dicke.

Jak fühlt wie seine Hand nach hinten in den Hosenbund greift und das kühle Metall der Waffe fühlt. Komisch das sie kühl ist denkt Jake. An sich müsste sie heiß sein bei dieser Hitze.

Der Dicke versucht vor Jake zurückzukriechen.

„Ist gut“ sagt Jake. „Ich glaube dir. Aber wenn du mich verpfeifst komme ich zurück. Glaub mir ich schaffe das. Und dann bist du wirklich drann.“

„OK“ sagt der Dicke. „Ich versprechs, das geht in Ordnung. Ist als wenn wir beide einen Vertrag hätten, Ok?

Jake geht zu dem Truck, steigt ein, legt den Gang ein und fährt um den Schrotthaufen herum bis er neben dem Dicken steht. Der Dicke muss hoch sehen und er blinzelt, weil ihn die Sonne blendete. Jake hat das Gefühl, er hat was vergessen. Als müsse er noch irgendetwas sagen oder tun. So als sei er ein Feigling. Als würde er sich ewig in den Arsch beißen, wenn er jetzt so vom Platz führe. Dann hatte er verloren. Wieder hatte ein Arsch ihm was aufgeschwatzt. Wider er sich vor den Konsequenzen gedrückt. Es war ja so einfach Versprechungen zu glauben, die sagen, das sie alles richten. Ein Scheiß würde sich richten. Alle lügen wenn sie was wollen. Alle versprechen sie was wenn sie wollen. Er hätte in dieser Situation das selbe gesagt wie der Dicke. Und das macht ihn wütend. Das er genauso eine feige Sau wäre wie dieser Dicke der geglaubt hat, ihn verarschen zu können. Er wird ihn wieder verarschen. Diese Typen verarschen mich immer. Jake sieht die Waffe in seiner Hand die am Ende seines Armes aus dem Fenster des Trucks hängt. Um ihn ist weites leeres Land. Am Horizont ein paar Trailer und ein verkommener Supermarkt. Du dummes fettes Schwein denkt Jake, und die alte Wut flackert in ihm auf. Er schießt dem Dicken zweimal in den Kopf. Wie von weit her sieht er wie der Mann beginnt ein Bein anzuziehen und wieder streckt, wir von dünnen Drahtseilen gezogen. Dann beginnt er wie ein dicker Puding zu zittern und bleibt plötzlich still liegen.

Jake biegt von dem Gelände und auf eine Asphaltstraße die sich lang und flimmern in den staubigen Horizont bohrt. Weg von den Häuser. Eine eigenartige Leichtigkeit ist in ihm.

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