Gottes Hand

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Ich sah vor einigen Tagen mal wieder den Film Carlitos Way. Ein harter Film. Aber der Film hat recht. Wege sind gefährlich. Nicht nur Carlitos Weg. Solange du im Bett liegst ist alles in Butter. Na ja, solange du nicht versuchst deine Fußnägel im Dunkeln zu schneiden, im weißen Hemd Spagetti mit Ketchup ist oder Zigarren mit betrunkenem Kopf im Bett rauchst. Aber kaum stehst du auf – alleine der dunkle Weg zum Toilette, schon drohen Gefahren. Die Ecke der Duschwanne liebt deinen Fuß, Stecknadeln der letzten Näh-und Stopforgie, und offene Türblätter die in die absolute Dunkelheit zwischen deinen Augen ragen. Ganz zu schweigen, wenn du es wagst vor die Tür zu treten. Bananenschalen, Kartenkontrolleure, Radfahrer, Hundehaufen, Flaschenscherben und alte Damen die Vögel füttern. Absolutes Kriegsgebiet. Viele dieser diversen Flieger lieben es nach Stuka Art, aus der Kurve heraus Fliehkraft beschleunigte Entleerung vorzunehmen. Ich vergaß mögliche Verwicklung in Geißel Dramen und diverse Fremdbeschallungen durch unfreiwillige mithören von Techno Klängen. So hörte ich letztens plötzlich neben mir einen 3D Ton. Soll heißen, ein echter Ton. Nicht Konserve. Zu meiner Seite an der Ampel stand eine junge Frau. Die Haare engelhaft gewellt, beseelter Blick durch eine spartanische Brille und einen kleinen Teddybär Rucksack auf ihrem Rücken. Habe mich immer schon gefragt warum ausgewachsene mit Verstand beglückte Menschen kleine Teddybär Rucksäcke tragen. Gefühlmäßig gehören sie zu der Gattung die sich mit kleinen Glocken behängt leise Bimmelnd und garantiert unauffällig zwischen ihren Mitmenschen bewegen. Aber diese junge Frau sang. Leise und klar. Fast könnte man sagen, mit geschulter Stimme. Die Ampel war grün, wir schritten los und ich lauschte fassungslos. Sie sang moderne christliche Lieder. So etwa wie “ Christus ist dein Freund und er wohnt gleich nebenan- er ist immer bei dir und er macht dir auch dein Müsli  “ etc. Sie schritt also dahin und ich sah förmlich, wie Gott seine Hand über sie hielt. Hätte sie sich einem Bus in den Weg gestellt, ich schwöre, er wäre über sie hinweggeflogen. Und so schritten wir gemeinsam durch die tobenden Junkies die sich mit Spritzen jagten oder mit Bierflaschen nach Wachpersonal kullerten. Es war als schütze mich ihr Gesang vor allen Gefahren die auf unserem Weg lauerten. Vielleicht hätte Carlito auch singen sollen, aber dann wäre der Film bestimmt langweilig geworden. Wer will schon singende Gangster sehen.

Aber mich brachte es auf eine Idee. Ich werde demnächst mit einer Wasserpistole und einem Zettel auf dem ich um ein Spende bitte, eine Bank besuchen. Dabei werde ich christliche Lieder singen und ich denke es wird gut gehen. Vielleicht kann dann den Beruf wechseln. Mir kann nichts mehr geschehen. Diese Idee hat mich so aufgeregt das ich im  nächsten Kaffee  einen Moca bestellte und mittels Finger und einem Streicholz das mir die nette Bedienung besorgte, meine Glücksbringerin zu Papier brachte. Gesegnet sei das unkomplizierte Künstlerleben.

Comments
One Response to “Gottes Hand”
  1. Jörn Krug sagt:

    Lieber Matthias,
    eine schöne Anekdote! —
    Fehlen eigentlich nur noch so was wie die Trompeten von Jericho, die unsere infantilisierte und nach außen hin zunehmend verweiblichte Konsensgesellschaft ein wenig zum Wackeln bringen — des Spektakels wegen.
    Wo finden die wahren Gangsterdramen heutzutage statt?
    Vom Café aus sehen wir das leider auch nicht,
    Gruß, Jörn —

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