Geschichten aus Bildern

 

Im Augenblick ist es schwierig den Block zu pflegen. Meine Privaten Befindlichkeiten möchte ich nicht ausbreiten und gehören meiner Ansicht auch nicht hier her.  Ich frage mich wieso des öffteren, was die Menschen im Glauben läßt das es irgend einen Unterhaltungswert hat den Arsch seiner Freundin, Pickelausdrücken oder Bilder von “meinem Kranken Hund” der riesigen, anonymen Weltgemeinde vor die Füße zu kotzen, in dem Glauben sich damit in irgendeiner geheimnisvollen Weise Sympathie, Liebe, Bewunderung oder Freunde zu schaffen. Sie gehören schon heute zum Müll der Geschichte.

Und all das was Lamber betrifft möchte ich im Augenblick nicht zeigen da ich damit etwas verraten könnte, was die Cleveren unter euch sich vielleicht gar nicht so falsch zusammenreimen. Daher vielleicht ein kleiner Exkurs zu “wie finde ich eine eine Geschichten”. Ich verrate wahrscheinlich nicht zu viel, wenn ein großteil alle Comiczeichner gerne Filme gemacht hätte. Weil viele im Grunde ihres herzens Erzähler sind das zeichnen ein notwendige Übel. Das ist aber ein schwieriges Unterfangen. Früher auf jeden Fall schwieriger als heute. Also flüchten sie in die Welten die sie selber im ein Mann Betrieb schaffen können. Und um es mal ehrlich zusagen. Es ist eine Gnade das zu können. Ich weiß es erst jetzt zu schätzen.  Offt steht am Anfang nur ein Bild das sich so in unsere Köpfe einnistet, das almählich andere Bilder darum herum entstehen und dann erst eine Geschichte. Stellt euch vor, ein Bild das faszinierend aussehen könnte, im Stiel der alten Pulpfiction Titelblätter. Ein Mann versucht eine junge Frau von den Schienen zu heben während die Vorderfront des ICE schon riesig vor ihm Aufragt.  Aber ein Schritt zurück. Wie komme ich auf dieses Bild? Ich saß an einem vergessenen Bahnübergang mitten in den Feldern und Wiesen Norddeutschlands. Die Schienen blitzten rostig in dem harten Licht der Sommersonne, ich roch das Metall, gemähte Wiesen und hörte die Lerche am Himmel tirilieren. In Büchern hatte ich gelesen das die Indianer den Kopf auf die Schienen legen um zu hören wenn das “Dampfroß” naht. Also versuchte ich es auch. Mit einem etwas mulmigen Gefühl. Wie schnell kommt ein Zug näher, wann hört man ihn, aus welcher Richtung kommt er.  Gerade daher wo ich nicht hinsehe? Aber die Perspektive die sich mir dan bot war doch erstaunlich. Und im mein Geist sah ich die Lock kommen. Wenn sie real gekommen währe hätte ich nur einen lausigen, zappeligen Triebwagen gesehen. Aber das Hirn perfektioniert, entwickelt Gedanken schlagartig weiter und so hatte ich plötzlich das Bild von einem Kind und seinem Retter. Aber wen interessiert ein Kind? Ist eine hübsche Frau nicht besser? Und jetzt fängt die Geschichte erst an. Warum ist sie eigentlich auf den Schienen? Wo kommt der Mann her? Kennen sich die Beiden? Wichtige Punkte. Und dann kommt als zweiter Strang: wie bekommst du die Leser oder Betrachter an den emotionalen Haken damit sie weiter auf das Bild starren und sich all diese Fragen stellen. Die Idee!! Ein Fuß der Frau ist mit einer Handschelle an die Schienen gefesselt. Und es geht weiter. Es geht so schnell weiter in meinem Kopf das ich die Bremse ziehen muß. Wenn die Sache jetzt schon so gepuscht wird, dann verlege die verdammte Szene doch auf eine Eisenbahnbrücke über eine mörderische Schlucht. Du siehst Frau, Mann, Lock und außerdem durch die Schwellen in eine gnadenlose Tiefe.  Ok. Sehr gut. Aber jetzt habe ich mich in meinem eigenen Netzt gefangen. Und während immer noch die Lerchen am Sommerhimmel tirilieren und meine zweite multitaske Gehirnhälfte nach einem Bier lechzt suche ich nach Hintergründen für die Ereignisse. Das Geheimnis brüllt mich an und jetzt erst fängt der Prozess einer Geschichte an.

Natürlich kann ich es auch dabei belassen weil mir der Stoff nicht mehr hergibt. Die Geschichte bleibt im Bild und soll auch dort eingefrohren bleiben und den Betrachter seiner eigenen Fantasie überlasse. Das kann auch geschehen. Und dann fange ich ab und zu an, Bilder die mich berühren zum Leben zu erwecken indem ich sie in 3D nachbaue. Das Buch “Die Frau auf dem Fluss” das demnächst erscheinen wird entstand so. Ich hatte die Vision eines Mannes  im Schlapphut der mit einer Flinte im Arm lautlos mit einem Boot durch die Industriekanäle in Hamburgs gleitet. Das Bild  hat mich so faszinier das ich davon ganz schnell ein Modell baute das bei mir aufgestellt war. Ich roch die Geschichte aber sie war noch nicht da. Jeden Tag sah ich den Kerl unter den riesigen Bäumen, ich roch das Brackwasser und den schweren Geruch des Sommers. Ich sah Gewitter am Horizont und Regen wie Bindfäden. Hitze. Und ich ahnte das es eine gute Geschichte werden würde. Eine Geschichte von einer unsichtbaren Hand direkt aus meiner Seele geschrieben. Ich sah mir immer wieder diese Instalation an. Ich trank dabei Whisky und hörte Lynyrd Skynyrd, oder Tony Jo White. Und plötzlich, bang, nach einem Jahr war sie da. Meine Blut und Herzgeschichte. Und das bracht mich darauf das 3D Prinzip auch mit anderen Motiven zu versuchen, die mich faszinierten aber als Geschichte für mich nicht interessant wahren.

Die Hobos. Weit weg von allem was sie liebten. Von allem was ihnen einmal etwas bedeutet. Nur einen kleine Koffer dabei und weg. Wie ein Dieb in der Nacht. Flüchtige Bekanntschaften, Bahnhöfe im dreckigen Lich der Nacht. Ein vage Hoffnung auf etwas Glück, ein neues leben vieleicht. Du springst in diesen Güterwagon, siehst fremde Landschaften vorbeiziehen, Sehnsucht zereißt dein Herz……. Ein Uralte, oft besungene und geschriebene Geschichte. Ich muß keine Neue mehr erzählen. Die Alten sind zu gut.  Aber ich kann ihnen ein Denkmal setzen. In dem Band Blutsbrüder gibt es allerdings darüber eine Geschichte von mir. Ein Handlungsreisender besucht eine Bar auf einem Rangirbahnhof und springt dann auf einen Zug auf und verläßt sein altes Leben. Diese Geschichte ist fast echt. Ich war damals mit einem nicht registrierten Auto in Alabama unterwegs. Ich kam gegen Abend in diese Bar und traf dort den Melonenhändler. Und auch die Hure kam und sagte, ich soll diesen scheiß Ort verlassen. Bis dahin stimmt alles wie ich schrieb. Ich war damals eben geschieden und mir zeriß es das Herz wenn ich an meine Tochter dachte und all das, was ich vielleicht verlohren hatte. Ich wollte das es aufhört, das etwas geschieht was mich befreit. Ich zahlte als ich den Zug kommen hörte. Ich hatte damals nichts mehr zu verlieren. Wenn ich das schaffen würde, ich würde vielleicht keinen Schmerz mehr spühren sondern besoffen von Glück. Aber ich sprang nicht auf. Es währe kein Problehm gewesen. Der Zug war langsam wie eine Schnecke. Aber ich traute mich nicht. Ich war zu feige. Ich ging zurück und trank weiter. Mit dem Melonenmann der vom Krieg erzählte. Und damit komme ich zu einem weiteren Knotenpunkt von Geschichten…….

Die Bar. Die Bar in der die Zeit stehenbleibt. Viele von euch werden sie kennen. Nichts geschieht. Vielleicht redet man über etwas, das man machen könnte. Pläne. Man tut es nicht. Aber man kommt immer wieder hir her. Und wenn man auf einer Reise ist, findest Du sie auch. Diese Bars in denen die Zeit stehen bleibt. Jeder Tag der Gleiche. Die Zeit verinnt. Ab und zu kommt eine Fremde herein. Aber sie sieht Dich nicht, oder du begletest sie nicht auf ihrer Reise weil du Angst hast vor dem Unbekannten das auf dich wartet. Und wenn du anfängst an dir zu zweifel, redest du dir ein du bist ein Cowboy und das Cowboyleben ist eben so. Irgenwie bin ich dan auch ein Held.  Aber wer klug ist, verläßt diese Orte so schnell er kann. So wie es mir die Hure in Alabama sagte. Die Literatur ist voll solcher Geschichten. Auch diese Bars brauchen ein Denkmal. Ihre Geschichten gehen in die Tausende.

Und der Man, der in den Grayhound steigt um wegzufahren. Warum, wohin, wir wissen es nicht. Das Land ist so riesig, seine Spur wird sich verlieren. Vielleicht sind wir selber dieser Mann. Tief in uns drinnen. Wir haben den Buss kommen sehen. Er hat einige Minuten auf uns gewartet weil der Busfahrer alt genug war, und vom Leben soviel gesehen hat das er auf dich gewartet hat, vor dieser Bar. Und du bist tatsächlich aufgestanden und gegangen. Kein Blick zurück.

Auch dieser Mann bekommt sein denkmal. Und ich habe noch vor einige weitere Dnkmäler zu bauen. Aber erst kommt Lambert. Unsentimental und hart. Er würde kotzen wenn er das hier lesen würde. Und das wirklich eigenartige ist – Wenn ich Lamber treffen würde, ich glaube wir hätten uns nichts zu sagen. Auch wenn er mein Bruder wäre.

Comments
2 Responses to “Geschichten aus Bildern”
  1. Geier sagt:

    Wen ich das so lese muß ich wieder an Bukowski denken und seltsamerweise an Conrads Herz der Finsternis… und das hier http://www.retronaut.co/2011/10/cafe-lehmitz-1967-1970-by-anders-petersen/
    Diese §D-Teile wirken irgendwie geisterhaft, wie Schatten.

    • Matthias Schultheiss sagt:

      ich kenne dieses Buch. Lange her. Aber in diesen Bildern ist nur noch Traurigkeit. Da ist nicht einmal mehr Platz für eine Illusion. ist nah drann an Bukowsky. Über ihn gibt es einen sehr sanften, traurigen sehr zährtlichen Film für gefallene Helden. Nicht der mit Mickey Rourke. Sondern mit Mat Dillon. Heißt glaube ich “Faktotum”. Und was Conrad betrifft, er schreibt sehr auf meiner Wellenlänge. Er ist zum Beispiel ein Mann mit dem ich mich gerne unterhalten hätte.
      Gruss M.

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