Zeit der Dämonen

Die Stunden zerinnen am Schreibtisch. Das einzige das sich bewegt ist die Hand mit dem Stifft und die Andere zuckelt mit zwei Fingern um die Pinselstärke zu verstellen. Ab und zu mal mit dem Zeh wackeln ob die Beine noch drann sind. Habe zwar einen Wecker der alle ein einhalb Stunde Alarm macht. Seilspringen, Liegestütz und all so ein Scheiß damit der innere Verottungsvorgang aufgehalten wird. Was für ein Leben. Und der Kopf, der entflieht in andere Welten. So als währen zwei Personen an den Schreibtisch gekettet. Der eine ist ein Zeichensklave. Der andere ein Wahnsinniger in einer Zelle der glaubt er sei ein Vogel und sich aus dem vergitterten Fenster schwing. Bloß nicht mehr zurück. Ist das jetzt schon Schizo oder was? Als ich vierzehn war gab mir mein Vater die letzte Ohrfeige. Daraufhin zog ich das Mundstück von meiner selbstgemachenten Posaune und sagte ihm, wenn er das noch einmal macht, schlage ich ihm das Ding in den Kopf. Er hat es mir geglaubt und saß aschfahl auf dem Sofa. Ich ging nach oben und packte ein Köfferchen. Irgendein Schiff würde es geben, das mich mitnahm. Da draußen wartete eine große Welt in der ich frei sein konnte. Robert der Schiffsjunge war damals Pflichlektüre. Aber als ich die Tür aufmachte war es draußen dunkler , kalter Herbst. Ich kannte dort draußen kein Schwein bei dem ich die Nacht verbringen konnte. Keinen Freund, keine Nutte, keine Gangster, keine Kneipe. Ich kehrte um. Nachträglich gesehen eine laue Wurst Aktion. Was währe gewesen? Wer weiß, müßig. Aber ich weiss nur was weiter geschah. Freebird kehrte Zurück. Inzwischen hängt ein schweres Eichenkreutz das mein Vater schnitzt hinter einem Stallgebäude und Cristus sieht über die weiten Felder und den riesigen Himmel. Ab und zu zünde ich ihm eine Kerze an und trinke Nachts einen Whisky mit ihm. Heute könnte ich mit ihm reden. Ich würde ihn lassen, wie er war. Ja, er fehlt mir. Ein Mann den ich hasste und liebte. Der es mir mir nie erlaubte, ihn kennen zu lernen. Zu spät. Weiß man erst später. Tja solche Sachen fallen mir ein in den ewigen Stunden des Zeichnens in denen meine Hände von etwas in mir geführt werden, das sich im schlimmsten Falle meiner Kontrolle entzieht und im besten Falle besser arbeitet als mein Interlekt. Geheimnisvolles Leben. Ja, es ist wirklich geheimnisvoll. Um das zu erkennen brauche ich Stille. Und Stille das wisst ihr genausogut wie ich, ist nicht nur besinnlich und erholsam. Sie ist auch gefährlich. Es ist die zeit der Dämonen, der unguten Erinnerungen, des Gwissens und der quälenden und sinnlosen Fragen – was wäre gewesen wen? Und vielleicht findet man zwischen diesen Gedanken, oder fühlt es, das das Leben geheimnisvoll und wunderschön sein kann. Zumindestens in einigen Momenten wo ein nicht die schnöde Wirklichkeit einholt. Obwohl die Wirklichkeit auch zu diesem Geheimnis gehört. Eigenartiger Weise war es auch mein Anliegen als Dozent, meine Schüler etwas näher an das sonder und wunderbare des Lebens zu führen.  Mehr für sie zu sein als der Fachmann. Vielleicht wollte ich für sie ein bischen das sein, was mein Vater nicht für mich nicht war. Für einen Künstler denke ich , ein wichtiger Bestanteil der Reflektion auf die Welt in der er lebt. Ich weiß nicht ob es mir gelungen ist. Aber bei einigen habe ich es deutlich gefühlt, die Glut die in ihnen tobt, das Hadern mit dem wie es ist, die Last die sie in ihrem Jungen Leben schon zu tragen hatten. Der brodelnde Ursumpf der Kunst. Die Unangepassten, die Störrischen die die sich schwertaten mit unserer ach so ordentlichen und fordernden Welt. Und was wollte ich damit jetzt sagen……..? Ok, das ist meine Erklärung warum ich nicht die weiten Meere befuhr sondern am Schreibtisch rumkratze und schräge Geschichten für scheiß wenig Geld erschaffe. Es ist der Wahn, der Wahn und die Leidenschaft ist meine Blohnung. Hmmmm ….. ob man sich dafür ein Brötchen kaufen kann? Werde mal zum Bäcker gehen und ihn fragen ob er mir für eine Handvoll Leidenschaft n’ Brötchen gibt. Was denkt ihr wies ausgeht?

Aber unter dem Verzeichnis Unveröffentliche Comics/ Manga Stuff /im Reich des Wahnsinns issue 9  geht es weiter mit unserem Helden.

Comments
2 Responses to “Zeit der Dämonen”
  1. Emanuel sagt:

    Klasse! Kann ich absolut nachvollziehen was du schreibst!
    Und als einer deiner alten Studenten kann ich dir sagen: Was deine Arbeit als Dozent angeht hast du, zumindest bei mir, dein Ziel voll erreicht.
    Wenn ich mit meinen Freunden bei einer Flasche Jack zusammensitze, erzähle ich immer wieder mal von meinem damaligen Dozenten, der mir innerhalb eines Jahres mehr beigebracht hat als alle meine Mathelehrer es in 12 Jahren vermochten.
    Emanuel

    • Matthias Schultheiss sagt:

      Danke Emanuel. Wenige meiner alten Schüler haben das gesagt. Und Du wirst es vielleicht nicht glauben, das Du das sagst bedeutet mit sehr viel. Ich habe wenige Dinge im Leben getan auf die ich stolz sein kann. Und der Ruhm, er ist vergänglich, bedeutet nichts. Das Geld ist für die Miete. Alles was wichtig ist kann ich nicht kaufen. Sowas, was Du sagtest zum Beispiel. Und als ein soziales Wesen, ich meine damit nicht eins das sich in “sozialen networks” tummelt und glaubt das hat etwas mit sozialen Engagement zu tun, sondern als jemand der versucht zu helfen, der zuhört, den Leuten in die Augen sehen will, der ein biologischer Teil dieses Lebens sein will, persöpnlich interagieren und nicht virituell, ist das eines der schönsten Dinge die ich hören kann. Also war nicht alles umsonst was ich gemacht habe. Und das ist ein gutes Gefühl in dem Rest des Irrsinns der abgeht. Danke.

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