Afrika ist im Arsch

Afrika ist im Arsch, aus dem Leben eines Comiczeichners

Heute Morgen war das halbe Hornissennest weg. Aufgeweicht und abgefallen. Der Wind tat sein übriges. Hornissen pissen an sich immer nach draußen. Aber wenn sie ein Nest in einem größeren Nest haben pissen sie eben auch in ihr eigenes größeres Nest. Die filigrane Papierkonstruktion wird weich, die Schwerkraft und der Wind tut das seine. Wäre besser sie hätten Toiletten oder etwas, was ihre Pisse nach außen abführt. So haben sie sich selber in ihre eigene Katastrophe gepisst,

Nach der Katastrophe

Zugeschissen und abgestürzt. Stellt euch vor wenn wir keine Abwasser Systeme hätten. Ich habe mich so wiso immer gewundert wie das funktioniert. Riesige Hochhäuser voller scheißender Menschen und alles verschwindet spurlos. Was glaubt ihr wäre los in einem Hochhaus ohne Toiletten. Gut, es würde stehenbleiben weil es nicht aus Papier ist. Aber die Lösung  ist schon genial. Tausende von kleinen, mittleren und großen Röhren bis hin zu Röhren von der Größe eines U Bahn Tunnels. Städte stehen praktisch auf einem Röhrengeflecht, nur damit wir locker vor uns hinscheißen können ohne in der Suppe zu ertrinken.

 

 

Vorher in ganzer Pracht

 

Da fiel mir eine Begebenheit ein die sich vor circa 3 Jahren zutrug. Auf einer Party auf die ich wohl mehr aus Versehen eingeladen wurde, da der Gastgeber  glaubte auf Grund meines Wikipedia Eintrags sei ich eine tragende Säule der gehobenen Gesellschaft, kam ich mit einem Architekten in das Gespräch. Er wahr der Einzige bei dem es inhaltliche Überschneidungen in einigen Themen gab. Für den Rest war ich eher ein komische Fossil was sich eher an nicht opportunistischen Meinungen erfreute, schräg dachte und keine Fassade aus „Mein Auto, mein Pferd, mein Haus, meine Kreditkarte“ um mich aufgebaut hatte. Und als es sich herumsprach das ich Comic zeichnete und nicht wenigsten Gemälde produzierte, geschweige Arzt, Banker, Aktionär oder Vorstandsmitglied war, glaubte man mir einen Gefallen zu machen und nur noch Bier bringen zu dürfen und alle wahren sehr freundlich und hatten ein wissendes Lächeln auf ihren schönen Mündern. Der Mann war ein bekannter Architekt der  international tätig ist und ganze Städte plante.´ und baute. Trotzdem ein  Querdenker, neugierig und an vielem Interessiert. Wir waren uns ansatzweise ähnlich und mochten uns. Also wurde es ein schöner Abend zwischen schönen und erfolgreichen Menschen.  Wir trafen uns auch noch einige Male danach, aber sein Terminkalender würgte den Kontakt allmählich ab. Aber an diesem Abend erfuhr ich einiges über diese Welt in derdie großen  Weichen gestellt werden, politische Entscheidungen von Tragweite getroffen werden, über deren Mechanismen und das große Geld und dessen Möglichkeiten. Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte noch eine Depression bekommen. Irgendwann in der Unterhaltung, es ging um Urbanisierung und deren Möglichkeiten in der dritten Welt, erwähnte er,  das Afrika diesbezüglich sowieso im Arsch sei. Und das auf ewig. Er sagte nicht Arsch sondern etwas milderes, aber inhaltlich gleich. Ich bat ihn mir das zu erklären weil ja soviel über Afrika und damit verbundene Hoffnungen, Wünsche und Ideen geredet wird. Es ist ganz einfach zu verstehen sagte er, der wahre Reichtum eines Landes und die Möglichkeiten einer kulturellen und Wirtschaftlich Entwicklung liegt nicht im Ermessen eines korrupten Politikers,  Stammesfürsten oder diverser Kapitalanleger, Bodenschätzen, Agrar- oder Industriegüter. Lassen sie sich nicht von den ewigen verlogenen und zweckgerichteten Argumenten einfangen. Das ist nur Politik. Der wahre Reichtum liegt unter der Erde. Und in Afrika liegt unter der Erde nur noch mehr Erde abgesehen von einigen Bodenschätzen. Aber die werden rausgeholt und abtransportiert. Der Mann musste wissen von was er sprach.  Er war auf der ganzen Welt zu Hause und kannte alles was Rang und Namen hat. Er sagte, stellen sie sich einen Eisberg vor. Die kleine Spitze die sie sehen und auf dem die großen Nationen leben liegt über dem Wasserspiegel. Noch. Aber darunter ist ein riesiger Berg von Infrastrukturen. Kabeln und Leitungen aller Art, Tunnenl, Röhren für Beförderungsmittel, praktisch die Adern die alles am Leben halten. Alleine die Wasserversorgung und Beseitigung der Abwässer, die Transporttunnel und die elektrischen Leitungen liegen in vielen Stockwerken übereinander. Wenn das alles weg wäre, würden alle komplexen Staatsgebilde kollabieren. Das wäre wie ein Kometeneinschlag oder die Zündung einer  Elektronikbombe im Weltraum. Mittelalter. Viel schlimmer weil wir darauf eingestellt sind. Und diese Infrastruktur hat Generationen und Unmengen von Wissen und Geld gebraucht um aufgebaut zu werden. Sie hat Milliarden gekostet und bedarf immer noch unglaubliche Summen Geld zur Wartung, denn  sie muss erhalten werden. Aber sie sehen, das das selbst in unseren Gesellschaften zunehmend ein Problem ist. Das alles gibt es in Afrika ansatzweise nur in einigen Großstädten. Keiner hat das Geld oder will es dafür ausgeben damit Afrika aufholt. Das was der Westen aus Afrika braucht bekommt er auch so. Und Afrika oder deren Despoten bekommen nur das Geld das nötig ist um Afrika weiter Auszubeuten. Alle anderen Behauptungen sind gelogen. Ist ihnen jetzt klar warum Afrika am Arsch ist? Ich sagte ich habe begriffen. Lassen Sie mich zusammenfassen. Wenn uns irgendwer unsere Abwassersysteme wegnehmen würden  ersticken wir in unserer eigenen Scheiße? Genau, war seine Antwort. Insofern haben wir scheinbar einen Vorteil fuhr er fort.  Unsere Scheiße verschwindet in keinem Loch hinter einer Hütte sondern in einem riesigen weitverzweigten Röhrennetz.  Das dumme ist nur, wie produzieren nicht nur jede Menge menschliche Exkremente. Die können wir ja abführen. Aber die Tiere aus der Massentierhaltung scheißen auch Berge. Und wir produzieren Plastikmüll, der teilweise so klein ist das wir ihn garnicht mehr zu fassen bekommen. Dazu kommt CO2 und radioaktive und hochgiftige Chemieabfälle. Dafür haben wir auch noch keine Pipelines, abgesehen davon, das wir nicht wissen wie wir den Müll in die Pipelines locken könnten und wo wir ihn dann hinbringen. Wouw sagte ich. Also nähern wir uns trotz unserer Milliardenschweren unterirdischen Infrastruktur afrikanischen Verhältnissen. Sie sagen es, war seine Antwort. Und eins ist Ihnen wohl klar, das uns die Afrikaner dann überlegen sind. Die leben immer schon so. Zähe Burschen. Und warum kommen sie dann zu uns, frage ich. Ja das ist die Ironie an der Sache. Sie geraten vom Regen in die Traufe. Die Traufe liegt zwar noch etwas in der Zukunft, sozusagen außer Sicht für schlichte Gemüter und idiotische, unverantwortliche Politiker,  aber wir schlauen Kulturen arbeiten mit Hochdruck daran die Vorgänge zu beschleunigen. Eine extra angemietete Servicekraft brachte mir wieder lächelnd ein Bier. Und wie, wie fragte ich etwas perplex, halten Sie das aus. Das ist ja deprimierend? Er fragt zurück, Sie sind doch nicht dumm, wie halten sie das denn aus? Ich denke antworte ich, na ja so lange ich lebe habe ich vielleicht noch Glück. Sehen sie, das denken wir alle. An sich können wir auch nicht mehr viel mehr machen.   Wie heißt es so schön, die Hoffnung stirbt zum Schluss. Wir stießen mit unseren  Gläser an. Auf ein schönes, gesundes Leben, solange es gut geht. Und was machen Sie eigentlich fragte er mich. Ich habe ja genug erzählt. Lassen sie mal was von sich hören. Sind sie Zahnarzt? Ich verschluckte mich. Aber ich mochte diesen Mann.

Wie komme ich jetzt darauf? Ach ja, die Hornissen. Hoffentlich bekommen sie ihre Raumzeitkapsel noch rechtzeitig geflickt. Wenn sie schlau sind, verduften sie hier. Hoffentlich pissen sie ihren Stern in einer fernen Galaxie auch nicht zum Teufel. Dann kommen sie auch vom Regen in die Traufe.

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